Studienfahrten


Studienfahrt Niederschlesien

Donnerstag,26. September bis Montag, 02. Oktober 2019

Leitung und Bericht:   Friedel Hoffmann
Bilder:                         Friedel Hoffmann

Im Frühjahr 2018 entdeckte ich ein Angebot für eine 5-tägige Reise nach Niederschlesien. Für mich die Gelegenheit, endlich einmal die Heimat meines Vaters kennenzulernen. Also suchte ich in alten Postkartenalben meines Vaters nach Bildern der Orte, die angefahren wurden. Als ich mich anmelden wollte, war die Fahrt nicht mehr im Angebot.

Nach Rücksprache mit dem LV NRW der EAB stellte Service Reisen eine 7-tägige Studienfahrt zusammen. In Hiesfeld meldeten sich 21, aus Gelsenkirchen 2 und aus Gronau 14 Interessierte.



So startete der Bus von Breiden-Reisen mit Fahrer Andre am 26. September in Hiesfeld Richtung Leipzig. Die 14 Gronauer, darunter ein Ehepaar aus Hamburg, waren vorab abgeholt worden und die zwei Gelsenkirchener sammelten wir an einer Abfahrt der A 42 ein. Ein Moerser Teilnehmer war von Berlin nach Leipzig gefahren und so waren wir dann endlich komplett. Fahrer Andre erklärte uns viele Sehenswürdigkeiten, an denen wir vorbeikamen und am frühen Nachmittag erreichten wir den Busparkplatz an der Thomaskirche in Leipzig.



Ein kleiner Stadtrundgang mit "Altem Rathaus", Naschmarkt mit "Alter Waage" und "Goethedenkmal" führte uns vorbei am "Riquethaus", durch die Passage "Specks Hof" zur "Nikolai-Kirche". Nach einer kurzen Besichtigung dieses geschichtsträchtigen Ortes (Beginn der Montags-Demonstrationen) ging es über die "Alte Nikolai-Schule" zur "Oper" und weiter zum Augustusplatz mit Blick auf das "Gewandhaus", den "MDR-Kubus", die Universität "Paulinum mit Aula" und die "Pauluskirche". Wir spazierten auf die Einkaufsstraße. Vorbei an der Figurengruppe "Unzeitgemäße Zeitgenossen" erreichten wir die "Mädler-Passage" mit dem "Auerbach-Keller".

Es verblieb noch etwas Zeit für eine Vertiefung der Eindrücke, die Möglichkeit sich zu stärken und der Besuch der "Thomaskirche" mit dem "Bach-Denkmal" davor, bevor es mit unserem Bus, vorbei am "Bayrischen Bahnhof" und dem "Völkerschlacht-Denkmal" zu unserem Hotel "Atlanta" ging.

Richtung Bunzlau in Polen fuhren wir am nächsten Morgen nach dem Verladen der Koffer. Im Lokal "Kruszyn" trafen wir beim Mittagessen unseren Reise-Guide "Genowefa", die uns an diesem Tag begleitete.



Vorbei an der "Eisenbahnbrücke über den Bober", einer der längsten derartigen Bauten in Europa, ging es zu einer der "Keramik-Manufakturen" in Bunzlau. Bei der Besichtigung kamen unsere "Quietvox-Audiogeräte" zu ihrem ersten Einsatz. Mit deren Hilfe konnten wir die Ausführungen des/der Erklärenden immer gut verstehen, ohne sich unmittelbar in deren Nähe aufhalten zu müssen. Nach der Führung gab es die Möglichkeit, Bunzlauer Keramik zu erwerben.



Bei der sich anschließenden Stadtführung ging es zunächst vorbei am "Keramikmuseum" zum Marktplatz mit dem "Rathaus", der "Kirche Mariä Himmelfahrt und St. Nikolai" und den schönen "Bürgerhäusern".



Wer nicht weiter durch den Park mit Stadtmauer und Denkmälern der Besichtigung folgen wollte, konnte sich auf dem großen Marktplatz ausruhen.



Der Bus brachte uns dann nach Hirschberg zum Hotel "Mercure", wo wir die nächsten drei Nächte unser Domizil hatten.



Ins Riesengebirge, der Heimat von Rübezahl, ging es am nächsten Morgen. Die "Zisterzienserabtei in Grüssau" war unser erstes Ziel an diesem Tag.







Die frühbarocke "St. Joseph Kirche" mit den ausdrucksvollen Fresken von Michael Willmann besichtigten wir als erstes, bevor es zum "Mausoleum der Schweidnitzer Piasten" ging. Hier ruhen unter anderem Bolko I. und Bolko II., die Stifter der hiesigen Abtei.





Den Abschluss der Führung bildete die riesige Kirche "Mariä Himmelfahrt" mit ihren zwei Türmen, der prunkvollen Fassade und den illusionistischen Fresken von Georg Wilhelm Neunhertz, die neben Szenen aus dem Leben Christi die Geschichte des Zisterzienser-Ordens schildern. Über Landeshut ging es danach weiter nach Slidorf zu einem Mittagessen besonderer Art.





In der dortigen Umgebung gibt es eine große Anzahl Südtiroler Häuser. Im Lokal "Karczma Polska" wurden wir mit Akkordeonmusik begrüßt und während, sowie nach dem Essen fühlte man sich wie in einer Tiroler Bauernkneipe. Es wurde gesungen und geschunkelt, z.B. auch zum Kufstein-Lied oder dem Schneewalzer.





Über Schmiedeberg ging es weiter nach Krummhübel mitten im Riesengebirge. Während der Fahrt sahen wir die "Schneekoppe", mit 1603 m die höchste Erhebung des Riesengebirges. In Krummhübel führt übrigens ein Sessellift auf die "Kleine Koppe" (1375 m), um den Anstieg auf die Schneekoppe zu erleichtern. Unser Guide Norbert erklärte uns, dass wir großes Glück hatten, denn nicht immer ist die Schneekoppe so deutlich zu erkennen.





Den steilen Weg hinauf zur "Kirche Wang" trauten sich nicht alle zu. Doch nach einer Viertelstunde lag die evangelische Pfarrkirche, erstanden im 12. bzw. 13. Jahrhundert im norwegischen Vang und seit 1842 im Riesengebirge aufgebaut, vor uns. Auf die Besichtigung mussten wir ein wenig warten, da eine Voranmeldung nicht möglich war.





Auf dem Weg über Schmiedeberg und Zillerthal-Erdmannsdorf ins "Tal der Schlösser" ein Regenbogen am Himmel, aber am "Schloss Lomnitz" hatten wir wieder Sonnenschein. Nach Kaffee und Kuchen Zeit zur Besichtigung des Schlosses oder zum Einkaufen heimischer Produkte, bevor es zurück nach Hirschberg zu unserem Hotel ging.

Am Sonntag lagen viele km über Landstraßen mit vielen positiven, aber auch einigen negativen Eindrücken vor uns. Zuerst ging es zur Stadtbesichtigung in die Altstadt von Hirschberg, wo just an diesem Wochenende ein großer Trödelmarkt stattfand. Zu Beginn sahen wir die ehemals evangelische "Kirche zum Heiligen Kreuz" leider nur von außen, da eine Messe abgehalten wurde. Schön die "Epitaphien und Grabkapellen" wohlhabender Bürger der Stadt auf dem ehemaligen Friedhof dieser Gnadenkirche. Auf dem Weg zum Marktplatz mit seinen Laubengängen an einer Wand Bilder zur Sage um Rübezahl.





Am Eingang zum Markt mit dem "Neptun-Brunnen" vor dem Rathaus und den Doppeltrakt-Häusern mit ihren Laubengängen, die "Kirche St. Erasmus und Pankratius".



Zwischen den vielen Trödelständen - ich wollte ja eigentlich nicht kaufen und hatte dann doch eine Shadow-Platte ergattert, aber dafür meine rote Mütze verloren - schaute mich ein roter Hirsch an, der ja dem Ort seinen Namen gab. Vielleicht trägt er jetzt mein Rotkäppchen.



Dann eine lange Fahrt weg vom Riesengebirge hin zum Eulengebirge nach Heinrichau, auf der wir viele Informationen über Kultur, Geschichte und Gegenwart von unserem Guide Norbert bekamen. Hier steht das "Kloster Heinrichau", eine Zweigniederlassung des großen Leubuser Klosters. Berühmt und sehenswert das Chorgestühl der ehemaligen Mönche aus Linden- und Eichenholz. Leider durfte unser Guide Norbert nur übersetzen und der polnische Führer raste im Affentempo durch das Kloster - dafür die lange Fahrt dachten viele.





Nach dem Mittagessen auf einem typischen Landgasthof der Besuch des jüngsten Kurorts der Sudeten in "Altheide-Bad". Nach dem Stress der Führung in Heinrichau tat der Besuch des Kurortes richtig gut.





Bevor es durch das inzwischen schon dunkle Waldenburg nach Hirschberg zurückging, noch ein Highlight dieses langen Tages. Im "Schlesischen Jerusalem" in Albendorf besichtigten wir die "Basilika Minor". Der Sage nach erhielt im 13. Jahrhundert der blinde Jan sein Augenlicht zurück, während er vor einer Marienfigur betete. Hier hätten wir gerne noch etwas mehr Zeit gehabt, z.B. zum Erkunden des Kalvarienberges.





Nach dem Verpacken der Koffer und versehen mit einem vom Hotel gestifteten Kuchenpaket ging es Richtung Waldenburg durch die Heimat meines Vaters, die Orte Rothenbach und Gottesberg mit ihren Zechen. Gestern Abend lag alles im Dunkeln und heute regnete es ein wenig. Die Orte, durch die wir fuhren, erinnerten mich an die Bergbausiedlungen in Hamborn und Neumühl, wo ich meine Kindheit verbrachte.





"Schloss Fürstenstein" bei Waldenburg ist nach der Marienburg und dem Krakauer Wawel das drittgrößte Schloss in Polen. Seit 1509 befand sich Fürstenstein in der Obhut der Familie von Hochberg. Während der Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert gab es den größten Umbau des Schlosses.

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Während der Führung lernten wir die Geschichte eines Paares - Hans Heinrich XV. von Hochberg und seiner aus Nord-Wales stammenden Frau Theresa Olivia Cornwallis-West, genannt "Daisy" - kennen. Bevor wir das Schloss nach der Führung über die Terrassen verließen, standen wir vor einem Modell, das die im 2. Weltkrieg gebauten Tunnels unter dem Schloss zeigt.





Ein tolles schlesisches Essen - Roulade mit Klößen und Rotkohl, zuvor eine Kürbiskernsuppe - im Lokal "Ksiaz" und danach spazierten wir gemütlich zum Parkplatz der Besucher des Schlosses zurück, um nach Schweidnitz zu fahren.



Das wertvollste Baudenkmal der Protestanten in Schlesien und gleichzeitig die größte Holzkirche Europas ist die "Friedenskirche" in Schweidnitz. Sie bietet bis zu 7500 Gläubigen Platz. Als sie 1656-1657 nach dem Abschluss des Westfälischen Friedens in nur 9 Monaten - wie lange baut Berlin an seinem Flughafen? - gebaut wurde, mussten strenge Vorschriften eingehalten werden. Sie musste außerhalb der Stadtmauern, nur aus unbeständigem Baumaterial (Holz, Lehm usw.) errichtet werden und durfte auch in der Form an keine Kirche erinnern. Deshalb hatte sie auch keinen Turm. Bei der barocken Ausstattung gibt es auch zahlreiche Logen. Eine gehörte der Familie von Hochberg, deren Geschichte wir ja zuvor auf Schloss Fürstenstein kennengelernt hatten. 2001 wurde sie in die UNESCO Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt eingetragen.





Weiter ging es nach Breslau, der Hauptstadt Niederschlesiens. Bei leichtem Regen fuhren wir im Stau des Nachmittagsverkehrs zu der von Max Berg erbauten "Jahrhunderthalle" (1911-1913). Am Tage der Einweihung war sie die größte Kuppelkonstruktion der Welt. Leider konnten wir sie wegen Renovierungsarbeiten nicht, wie geplant, von innen besichtigen. Aber wie fast immer auf unserer Fahrt hatte es sich aufgeklärt und ohne Regen bekamen wir sie von unserem Guide Norbert von außen vorgestellt, bevor wir in unser Hotel "HASTON" zum Abendessen fuhren.





Am nächsten Morgen mussten wieder die Koffer verladen werden, bevor es zur Stadtbesichtigung im ersten Schritt zur Dominsel ging. Um jedoch einen der Laternen-Anzünder zu sehen, muss man eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang erscheinen. Breslau hat als einzige polnische Stadt noch manuell anzuzündende Gaslaternen. Dafür lernen wir einen der Breslauer Zwerge kennen, aber davon später.





Unseren Rundgang starteten und beendeten wir an der "Stiftskirche zum Heiligen Kreuz und St. Bartholomäus" mit dem "Hl. Johannes Nepomuk-Denkmal" davor. Vorbei am "Augustiner-Kloster" ging es zum "St. Johannesdom", einer Kirche der Backstein-Gotik. Vor vielen Baudenkmälern in Breslau stehen Bronzemodelle, damit auch Blinde die Objekte ertasten können, erklärte unser Guide Norbert.





Im 2. Weltkrieg erlitt der Dom schwerste Schäden und wurde 1953 wieder aufgebaut und die Domturmhelme wurden erst 1991 wieder auf die beiden Türme gesetzt. Die Inneneinrichtung besteht heute aus Teilen der ursprünglichen Ausstattung und Elementen aus verschiedenen Breslauer und Schlesischen Kirchen.





Mit unserem Bus ging es dann langsam zu einem Parkplatz in der Altstadt. Mehrmals begegneten wir dabei Straßenbahnen. Mit ihnen kann man zügig viele Punkte Breslaus erreichen und als Rentner fährt man sogar kostenlos, lt. unserem Guide Norbert. Vom Parkplatz ging es zu Fuß Richtung "Ring", dem Marktplatz, Herz der Stadt Breslau.





Wir kamen zum "Zwergen-Denkmal". Der "Papa-Zwerg" ist der erste und größte der "Breslauer Zwerge". Wie uns Norbert erklärte, sind die Zwerge aus der "Orangen Alternative" (Kampf gegen die Besetzer - in einer Hand hält Papa Zwerg auch einen Stein) entstanden und wurden zu Beginn auf Mauern gemalt.





Es soll Glück bringen, sie an den Zipfelmützen zu berühren. So entstanden im gesamten Stadtgebiet viele dieser bronzenen Zwerge und wir haben auch eine Menge auf unserem Stadtrundgang entdeckt. Es sollen inzwischen fast 300 sein und sie sind eine der Touristen- Attraktionen der Stadt. Jetzt verstehe ich auch, warum mir bei der Planung der Reise Zwergen-Anhänger als Souvenir von Service-Reisen angeboten wurden.





Der "Breslauer Große Ring" ist mit 3,7 ha einer der größten Marktplätze Polens. Im Mittelpunkt steht das "Rathaus" mit der "Astronomischen Uhr" und dem Eingang zum "Schweidnitzer Keller" auf einer Seite. Dann der "Wasserbrunnen Zdroj" von Alojzy Gryt. Rundherum um den Ring die prächtigen Bürgerhäuser, darunter u.a. die Fassade des "Hauses unter den Greifen".





Dazwischen dann der Durchgang zur "St. Elisabeth-Kirche" mit den Altaristen-Häusern "Hänsel und Gretel". Auf dem Platz davor das "Bonhoeffer-Denkmal" und auf dem Weg zur Universität die "Alten Schlachtbänke" in einer Gasse mit dem Bronzefiguren-Denkmal "Zum Gedenken an die Schlachttiere - ihre Konsumenten.





In der "Universität" wollten wir eigentlich die "Aula Leopoldina" und das "Oratorium Marianum" besichtigen. Die Aula wurde gerade restauriert und im Oratorium fand eine Veranstaltung statt. Über die "Kaisertreppe" gelangten wir jedoch zu einem Balkon, von dem wir einen Blick in die "Aula Leopoldina" werfen konnten. Am "Fechterbrunnen" verabschiedete sich unser Guide Norbert von uns, nicht ohne uns zu zeigen, wie wir zum Parkplatz unseres Busses zurückfinden.





Rund um das Rathaus fanden die meisten ein Lokal, um eine Kleinigkeit zu essen oder etwas zu trinken. Leider war die Zeit in Breslau viel zu knapp, um alles zu entdecken. Bei einer Wiederholung dieser Studienfahrt würde ich eine zusätzliche Übernachtung in Breslau einplanen.





Nach Leipzig fuhr uns noch Andre und für die Rückfahrt übernahm dann Albert, den einige noch von der Studienfahrt ins Tal der Sonne kannten. Mein Dank zum Schluss an alle Teilnehmer/innen, die immer pünktlich waren, an die Fahrer von Breiden Reisen und vor allem an unsere beiden polnischen Guides.

Für diesen Bericht habe ich nur eigene, nicht immer superscharfe, Bilder und Scans von Postkarten meines Vaters und Ausschnitten aus einer Landkarte verwandt. Für die Erstellung einer Foto-Show werde ich gerne auch Bilder von Teilnehmern berücksichtigen.



Friedel Hoffmann

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